Neetze: Zu Besuch beim Heide-Express
Auf freundliche Einladung der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e.V. (AVL) war die SPD Fraktion Neetze am 11.05.2026 zu Gast im Lokschuppen Lüneburg Süd.
Die AVL ist seit knapp 30 Jahren Betreiberin der Touristik Eisenbahn Lüneburger Heide sowie der Bleckeder Kleinbahn und fährt mit Heide-Express und Ameisenbär zwischen Lüneburg und Bleckede; einer Strecke, die sie seit 2010 gepachtet hat. 200 Mitglieder, davon ca. 50 aktive, halten nicht nur die historischen Loks, Triebwagen und Waggons technisch in Schuss, sondern auch die 23 Kilometer lange Strecke mit Gleisen, Schwellen, Brücken, Bahnübergängen und allem was dazu gehört. Wie wir vom Vorsitzenden Hans Dierken erfuhren, hat der Verein die Reparaturen am Gleis in Neu Neetze im vergangenen Jahr – nach der Falschfahrt eines Güterzuges im Sommer 2023 – mit Eigenleistung von ca. 400 Mannstunden sowie eigenhändiger Beschaffung der nötigen Materialien und Unterstützung im Vereinsnetzwerk gestemmt und damit zugleich Schwellen und Schienen modernisiert. Das ist beeindruckend!
Dem Engagement des Vereins ist es wohl auch zu verdanken, dass die Strecke Lüneburg–Bleckede bis letztes Jahr zu den 21 „reaktivierungswürdigen Strecken“ gehört, die die Landesnahverkehrsgesellschaft mbH (LNVG) als wirtschaftlich betriebsfähig einstufte. Geplant und wirtschaftlich bewertet wurde der Betrieb mit batterieelektrischen Fahrzeugen im Stundentakt bei einer Gesamtfahrtzeit von 23 Minuten mit Halt in Erbstorf, Scharnebeck, Rullstorf und Neetze; dazu die Ertüchtigung der Trasse, Brücken und Bahnübergänge z.B. mit den nötigen Signalen und Sicherungsmaßnahmen sowie eine neue Schnell-Ladestation in Bleckede. Nachdem 2025 im Reaktivierungsprogramm die Wahl zu Ungunsten der Strecke gefallen ist, ist sie aktuell die wirtschaftlichste unter den Strecken in Niedersachsen, die nicht für die Reaktivierung vorgesehenen sind.
So wichtig sie auch ist, für mich persönlich stellt die aktuell einzige öffentliche Verbindung mit dem Bus der MOIN immer eine Durststrecke dar. Man kommt entweder aus Lüneburg oder hat vielleicht schon eine Reise von weiter weg hinter sich. Der Bus ist oft verspätet oder/und überfüllt, Winters wie Sommers stickig und überheizt. Auf der Hinreise aus Neetze verbinde ich den 5100er vor allem mit der Unsicherheit, den Anschluss am Bahnhof (oft gleich zu Beginn einer langen Dienstreise) zu verpassen. Mit der Bahn wäre man von Neetze aus in 16 Minuten direkt am Lüneburger Bahnhof, würde die Rush Hour in der Stadt umfahren und könnte noch das Rad mitnehmen. Wie Hans Dierken uns bestätigt, wäre eine reaktivierte Bahnverbindung von LNVG und SinON nicht als Ersatz für den Bus geplant, sondern kann im besten Sinne als eine Alternative und als Entlastung der aktuellen Situation angesehen werden.
Nach den Entwicklungen des letzten Jahres ist nach Hans Dierkens Einschätzung die Reaktivierung für dieses Jahrzehnt vom Tisch. Aber die Perspektive ist doch positiv, so positiv, dass wir in Gemeinde, Samtgemeinde und Kreis dazu mitwirken sollten, dass sie Wirklichkeit wird.
Eine kleine Bemerkung am Rande: Eine (aktive oder passive) Mitgliedschaft in der AVL sichert nicht nur gegen eine mögliche Stilllegung der Strecke in der Zukunft ab, sollte der Verein einmal nicht mehr die Mittel für seine umfangreichen Erhaltungsmaßnahmen haben. Als Mitglied erhält man außerdem bis zu 100% Ermäßigung bei den Planfahrten auf der Bleckeder Kleinbahn teilweise sogar für (Ehe-) Partner:innen und eigene Kinder.
Vielen Herzlichen Dank an die AVL für die Gastfreundschaft und einen so netten und informativen Abend.
Paul Kernstock