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Hendrik Eggers Foto: SPD Ostheide

6. Januar 2023: Weihnachten in der Ukraine

Vor kurzem hatten wir eine geflüchtete, junge Ukrainerin mit ihrer Tochter bei uns zum Adventskaffee eingeladen.

Wir bastelten und unterhielten uns so gut es ging über viele verschiedene Themen. Ein Gesprächsthema, das mich interessierte, war das nahende Weihnachtsfest, das diese kleine Familie zum Beispiel ohne ihren Vater und Ehemann feiern würde. Ich machte mir schon Gedanken, wie denn das Weihnachten für diese Leute ausfallen möge. Im Gespräch jedoch erfuhr ich, dass die aus dem Osten stammende Ukrainerin sich mehr am Orthodoxen Glauben orientierte und das Weihnachten hier erst am 7. Januar zelebriert wird und der Jahreswechsel auch mehr im Mittelpunkt stehen würde. Nach diesem Nachmittag recherchierte ich etwas mehr zu den Glaubensrichtungen in der Ukraine und folgendes habe ich herausgefunden.

Da die meisten geflüchteten Ukrainer aus dem Osten und Süden der Ukraine kommen kann man davon ausgehen, dass die meisten eher Orthodoxe Christen sind, da die Katholiken mehr im Westen zur Grenze nach Polen wohnen.

Die Mehrheit der Ukrainer bekennt sich zum christlichen Glauben. In der Religionsstatistik vom 1. Januar 2012 sind insgesamt 36.500 religiöse Organisationen (darunter 35 013 Kultusgemeinden) erfasst, die 55 verschiedenen Kategorien (Konfessionen, Jurisdiktionen) zugeordnet werden. Die tatsächliche Zahl der Religionsgemeinschaften ist jedoch weitaus höher. Von den Gemeinden zählen etwa 92 Prozent zum Christentum.

Die größte Konfession in der Ukraine bildet die Orthodoxe Kirche, die derzeit in (zumindest) drei größere Fraktionen gespalten ist: die Ukrainische Orthodoxe Kirche, die Ukrainische Orthodoxe Kirche-Kyjiver/Kiever Patriarchat und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche.

Die größte katholische Kirche in der Ukraine ist die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, die im katholischen Kirchenverband eine Kirche eigenen Rechts darstellt.

Zu den größten protestantischen Gemeinschaften zählen baptistische Kirchen, evangelikale Pfingstkirchen und Adventisten. Ihre Zahl hat seit der Wende stark zugenommen, so dass der Protestantismus mit insgesamt 10.003 Gemeinden etwa 29 Prozent aller Kultusgemeinden ausmacht, obwohl sich 2010 nur 1,9 Prozent der Bevölkerung zum Protestantismus bekannten.

Da sich so viele verschiedene Glaubensrichtungen in der Ukraine befinden, so ist auch das Weihnachtsfest von unterschiedlicher Bedeutung in den verschiedenen Landesteilen.

Einige Kirchgemeinden, vor allem im Westen der Ukraine, haben auf Weihnachten am 25. Dezember umgestellt. Zudem ist der 25. Dezember mittlerweile ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag in der Ukraine.

Weihnachten wird in der Ukraine daher größtenteils nicht zur selben Zeit wie in den westlichen christlichen Ländern gefeiert, sondern wird nach dem orthodoxen Kalender begangen. Die Mehrzahl der Ostchristen lebt nach dem alten, julianischen Kalender, so dass Weihnachten auf Anfang Januar fällt.

Heiligabend ist am 6.Januar und wird im Kreise der Familie gefeiert. Zum Essen werden 12 Fastenspeisen aufgetischt, die an die 12 Apostel erinnern. Nachdem der älteste der Familie das Abendessen eröffnet hat und alle gesättigt sind, werden Weihnachtslieder gesungen. Für die verstorbenen Familienmitglieder wird eine Schüssel mit Kutja (Suppe) auf den Tisch gestellt.

Am ersten Weihnachtstag, den 7. Januar, wird die Messe besucht und danach festlich gegessen.

Der zweite Weihnachtstag, der 8. Januar, ist der Tag der Sternsinger. Musikergruppen oder verkleidete, singende Gruppen ziehen dann vom Haus zu Haus.

Die Bräuche sind nicht überall gleich, aber möchte man geflüchtete Menschen aus der Ukraine unterstützen, dann freuen sich diese bestimmt über eine Tasse Tee, eine kleine Aufmerksamkeit, etwas Selbstgebackenes oder etwas Dekoration. Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe und da kann keine Sprache eine Barriere sein.

Hendrik Eggers, Bavendorf

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